Hauptbestandteil des Laufwerks sind die Räder; es gehören auch die Achslager, Drehgestelle und die Bremse dazu, über deren Herstellung in dieser Rubrik berichtet werden soll.
Obwohl es preisgünstiger und vor allem nicht so zeitintensiv gewesen wäre, ein Holzmodell der Räder zu fertigen und dieses von einer Gießerei gießen zu lassen, habe ich mich dennoch für die Herstellung der Räder aus dem „Vollen“ entschieden, denn ich hatte mir zum Ziel gesetzt, möglichst alles an der Lok selbst herzustellen. Kaufen kann schließlich jeder!
Ausgangsmaterial für die Räder war Rundmaterial aus GG25, da dieser Werkstoff sehr leicht spanbar ist. Als erster Arbeitsgang wurde das Profil des Rades mit der Drehmaschine hergestellt. Anschließend wurden die Umrisse der Speichen genau angerissen. Dann folgte der zeitintensivste Teil der Herstellung: nun wurden die Speichen durch Bohren, Sägen und schließlich auch durch Feilen aus dem Material herausgearbeitet. Das Foto zeigt die einzelnen Arbeitstufen vom Rohling bis zum fertigen Laufrad.

Im oberen Abschnitt wurde die Herstellung der Laufräder beschrieben. In diesem Absatz wird nun auf die Fertigung der Treib- und Kuppelräder eingegangen. Sie ist ähnlich der oben beschriebenen Vorgehensweise. Zuerst wurde wieder das Profil des Rades mit der Drehmaschine hergestellt und anschließend die Speichen ausgearbeitet. Die Flächen für Nabe und Gegengewicht blieben allerdings erhalten. Nun bestand das Problem darin, dass diese Flächen beim Vorbild erhaben sind. Dies wurde erreicht, indem diese Flächen aus Blech gefertigt und auf die entsprechenden Stellen geschraubt wurden. Wer genau hinsieht, erkennt auf dem zweiten Bild dieses Absatzes, dass die Nabe des Rades bereits mit einem solchen Blech versehen wurde. Diese Fläche steht also gegenüber dem übrigen Rad etwas hervor.


Da der Spurkranz der Räder oben abgerundet sein muss, sich aber so eine Kontur mit einer konventionellen Drehmaschine ohne besondere Vorrichtungen nicht drehen lässt, musste zu einem Trick übergegangen werden. Das Rad wurde in die Drehmaschine gespannt und der Spurkranz bei laufender Maschine mittels einer handelsüblichen Feile abgerundet. So hergestellte Rundungen sind zwar nicht 100% präzise, aber für die meisten Anwendungen vollkommen ausreichend. Auf diese Art und Weise entstanden übrigens alle anderen „gedrehten“ Rundungen an der 64, wie zum Beispiel die Wölbung der Rauchkammertür oder die Domhauben, auf deren Herstellung in der Rubrik „Kessel“ noch eingegangen wird.

Nachdem alle Räder gefertigt waren, wurden diese mit einem Spezialkleber auf Achsen aus Silberstahl geklebt. Eine Schwierigkeit, die hierbei bewältigt werden musste, war, dass die Kuppel- und Treibzapfen einer Achse genau 90 Grad versetzt gegenüber der anderen Seite angebracht werden mussten. Obwohl Kleber als Welle-Nabeverbindung ausreichen würde, wurde zur Sicherheit noch eine Madschraube als Verdrehsicherung genau zwischen Achse und Nabe eingearbeitet. Abgeschlossen wurde die Herstellung der Räder durch die vorbildgerechte Farbgebung. Diesmal kam jedoch nicht der Kompressor mit Lackierpistole zum Einsatz, sondern es wurde mit einem Pinsel gestrichen, denn so war es möglich, eine wesentlich dickere Lackschicht aufzubringen, wodurch Herstellungsspuren, z.B. Riefen, die beim Feilen der Speichen entstanden waren, besser versteckt werden konnten.

Die Räder, bzw. die Achsen der Lok mussten natürlich auch gelagert werden. Dieses geschah bei meinem Modell 64, aber auch beim Vorbild, mittels Gleitlagern. Diese Lager wurden aus RG 7 mittels Drehmaschine und Fräse gefertigt. Auf dem unteren Bild wird die Herstellung eines Laufachslagers gezeigt. Man erkennt, wie die Lagerbohrung mit einem Innendrehstahl in das Werkstück eingedreht wurde. Bei genauem Hinsehen erkennt man eine Lötnaht. Diese Naht war nur zur einfacheren Herstellung des Lagers angebracht. Später wurden die beiden Teile wieder auseinander gelötet und mit Schrauben zusammengehalten. Ein geteiltes Lager, das ausschließlich an allen Achsen der Lok vorkommt, ermöglicht später eine einfache Montage sowie Demontage der Radsätze, was bei ungeteilten Lagern nicht möglich wäre. Das zweite Bild in diesem Abschnitt zeigt die bereits mit dem Rahmen montierten Treib- und Kuppelachslager. Ein Lager wurde bereits mit Blattfedern versehen, die später den Rahmen abfedern. Die Herstellung der Treib- bzw. der Kuppelachslager war ähnlich wie die der Laufachslager.


Da die 64 vorne und hinten jeweils ein Lenkdrehgestell Bauart Bissel besitzt, musste auch dieses Bauteil im Modell vorbildgetreu nachgebildet werden. Das nachfolgende Foto zeigt eines der beiden Lenkdrehgestelle, die aus Frästeilen zusammengeschweißt wurden. In diesem Bauteil befinden sich Federn, die das Lenkdrehgestell nach einer Kurvenfahrt wieder in die Geradeauslage zurückführen. An der gezeigten Bisselachse fehlt nun noch das Achslager, auf dessen Herstellung bereits im obigen Abschnitt eingegangen wurde. Dieses Lager wurde später mittels Schrauben an die Stirnseite angeschraubt.

Das nun folgende Bild zeigt einen Teil des Bremsgestänges. Dieses Gestänge wurde genau wie beim Vorbild gebaut und bewirkt, dass alle Bremsklötze immer mit dem gleichen Druck auf alle Räder drücken, auch wenn zum Beispiel eines der Räder kleiner (z.B. durch Abnutzung) ist als die anderen. Bei meiner 64 kann die Bremse auf zwei verschiedene Arten betätigt werden. Entweder per Hand durch eine Spindel oder durch zwei Bremszylinder, die mit Dampf beaufschlagt werden können.
Das zweite Bild dieses Abschnitts zeigt einen fertig montierten Bremsklotz an der Lok.


Die nächsten zwei Bilder bedürfen keiner weiteren Erklärung. Das erste Foto zeigt, wie der Rahmen zum ersten mal mit den Radsätzen verbunden wurde. Bild 2 zeigt den kompletten Rahmen mit Radsätzen im lackierten Zustand.


Komplettiert wurde das Laufwerk schließlich durch das Anbringen des Gestänges. Alle Stangen wurden durch Fräsen hergestellt und aus Genauigkeitsgründen nach Koordinaten auf der Fräse gebohrt. Diese Bohrungen dienen zur Aufnahme von Gleitlagerbuchsen, die aus RG 7 bestehen und mittels einer Drehmaschine hergestellt wurden. Auf dem folgenden Foto ist nun das komplette, mit allen Bauteilen versehene Laufwerk zu sehen.
